Hammond / Leslie Markentradition

Laurens Hammond (1895-1973) Inventor of the Hammond Organ
Laurens Hammond (1895-1973)
Inventor of the Hammond Organ

Es ist schon 80 Jahre her seitdem die Welt die erste Hammond Orgel gesehen hat und es fing alles mit einem Elektromotor an, der von Laurens Hammond erfunden wurde. Laurens Hammond war ein Erfinder, geboren 1895 in Evanston Illinois. Sein Vater war Bankier. Er ermöglichte den Hammonds einen wohlhabenden Lebensstil, starb jedoch kurz nach Laurens’ Geburt.

Laurens war intelligent und bastelte gerne. Er besuchte die Ingenieurschule in Cornell, diente im ersten Weltkrieg und arbeitete nach seiner Rückkehr in verschiedenen Berufen. Aber Laurens Hammond wollte ein “unabhängiger Erfinder” sein und machte sich an die Arbeit.

Wussten Sie, dass die ersten erfolgreichen 3D Filme, die in den Kinos gezeigt wurden, das Ergebnis eines von Laurens Hammond entworfenen Systems waren? Es war eine seiner ersten Erfindungen und wird heute immer noch gelegentlich verwendet, aber das Ding, das den Stein ins Rollen brachte, war Laurens Hammonds Erfindung eines Synchronmotors, der mit der damals neuen Netzfrequenz von 60 Hz lief.

Heute ist für uns elektrische Energie selbstverständlich, aber in den 30er Jahren war der Saft, der aus der Wand kam, oft unstabil. Hammonds Motor lief immer mit gleicher Geschwindigkeit und er war vollkommen geräuschlos. Was konnte er mit dieser Erfindung anfangen? Hammond kam auf die Idee, eine Uhr damit anzutreiben. Da er geräuschlos war, hörte man kein “tick-tack” und seine Uhr wurde sofort ein Erfolg. Viele davon sind heute noch in Gebrauch und mittlerweile sehr wertvolle Sammlerstücke.

Die Weltwirtschaftskrise um 1930 fuehrte dazu, dass die Hammond Clock Company den Boden unter den Füssen verlor. Hammond probierte andere Anwendungsmöglichkeiten aus, wie z.B. einen automatischen Bridgetisch, bei dem sein Motor einen Mechanismus antrieb, der die Karten an die Spieler ausgab. Der Tisch verhalf Hammond zu einem leichten finanziellen Aufschwung, der jedoch auch bald wieder verblasste.

Laurens Hammond sagte oft, dass es fuer einen Erfinder, wenn er eine neue Idee braucht, am klügsten ist, die alten Tricks wieder anzuwenden vielleicht sogar zusammen mit einigen Tricks anderer Erfinder. Einer von Hammonds Gedanken ging dahin, seinen Motor für die Tonerzeugung zu verwenden. Obwohl Laurens Hammond kein Musiker war, hörte er gern der Orgel zu, wenn er als Kind mit seiner Mutter in die Kirche ging. Warum sollte man nicht versuchen, eine Alternative zu den teuren Pfeifenorgeln zu bauen?

Es waren bereits von anderen Erfindern Bemuehungen diesbezüglich im Gange, jedoch ohne Erfolg, bis sich Hammonds Partner George Stephens daran erinnerte, wie das allererste elektrische Musikinstrument seine Töne erzeugte. Um 1900 erschien ein Erfinder namens Thadeus Cahill mit dem Teleharmonium. Das Teleharmonium war ein riesiges mechanisches System, das mit Hilfe von muelleimergrossen (und noch groesseren) Zylindern Töne erzeugte. Für den Transport der kompletten Anlage waren 30 Güterwagen erforderlich. Die Musik konnte mit Hilfe von Telefonkabeln in die Häuser geleitet werden. Man muss nicht erwähnen, dass dieses System keinen Erfolg hatte, aber der Grundgedanke war gut.

Mit einer viel kleineren Konstruktion basierend auf den Ideen von Cahills Instrument, gekoppelt mit dem Synchronmotor, erschien Hammond mit etwas, das er als “elektrische Flöte” bezeichnete. Es funktionierte! Zuerst dachte er, es wäre nur ein Spielzeug, das man fuer 30 bis 40 Dollar verkaufen konnte, als er aber darüber nachdachte, erkannte er, dass es ein grosser Fortschritt fuer die Musikinstrumente sein könnte und er fing an, die Entwürfe für die Hammond Orgel zu skizzieren.

Am 24. April 1934 hat Laurens Hammond sein Musikinstrument zum Patent angemeldet. Das Dokument umfasste 18 Seiten und zwanzigtausend Wörter. Zu dieser Zeit war der Autohersteller Henry Ford der grösste Industrielle im Lande, der Geräte aller Art liebte. Er erfuhr von Hammonds Patent und schickte Leute nach Chicago, um sechs Orgeln zu bestellen. Das Problem war, dass Hammonds Orgel noch nicht in Produktion war.

Ford bestellte Hammond nach Dearborn, um herauszufinden, ob er helfen könnte, das noch junge Unternehmen auf Trab zu bringen. Hammond lehnte Fords grosszügiges Angebot, sich am Material zu beteiligen, ab, aber er wusste jetzt, dass er gewonnen hatte. Es ist eine Fehlinformation, dass Henry Ford die erste Hammond Orgel bekam. Er erteilte den ersten Auftrag, aber er bekam nicht die erste Orgel. Auch der Komponist George Gershwin hatte dieses Privileg nicht, wie weithin berichtet.

Die Wahrheit ist viel uninteressanter. Nachdem Laurens das Unternehmen zum Laufen gebracht hatte, ging Hammonds Seriennummer eins an einen Händler in Kansas City, wo die Orgel viele Jahre lang als Vorführgerät eingesetzt wurde. Danach kam sie ins Smithsonian Museum nach Washington, wo sie sich jetzt noch befindet. Henry Ford bekam schliesslich seine sechs Orgeln und eine davon ist in seinem Museum in Dearborn, Michigan ausgestellt.

Die Hammond Orgel war sofort ein Erfolg und es dauerte nicht lange, bis man in Kirchen, Theatern und Konzerthallen zum Klang des Modells “A” summte. Der grosse Theaterorganist Jesse Crawford wechselte von der gewaltigen Wurlitzer Orgel auf Hammond und machte bekannte Aufnahmen, von denen einige, wie seine Wedding Music, bis heute existieren. Ein weiterer Star der Hammond Orgel war Ethel Smith, deren schillernde Technik (und ihr ebenso schillerndes Aussehen) sie zum Star der Bühne und Leinwand machten.

Auf der Westseite von Chicago, in der Naehe der ursprünglichen Hammond Fabrik, fingen Black Gospel Kirchen an, auf der Hammond Orgel zu spielen und es entstand eine Tradition, die nie aufgehört hat zu wachsen und die nicht kalkulierbaren Einfluss auf fast alle Musikrichtungen hatte. Als Wild Bill Davis die Hammond Orgel in einer Kirche hörte, wurde er inspiriert, das Instrument bei einer Jazz Vertonung auszuprobieren. Fast Waller folgte ihm und es entstand eine neue Bewegung im Jazz.

Die Hammond Orgel brauchte noch etwas, um zur “Königin der Instrumente” zu werden – den Leslie Lautsprecher.

Fuer uns sind es heute untrennbare, zweieiige Zwillinge, aber die Wahrheit ist, dass die Hammond Orgel sieben Jahre vor dem Leslie geboren wurde.

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Donald Leslie
Erfinder des Leslie Lautsprechers
(1911-2004)

Der Erfinder war Donald J. Leslie, ein Ingenieur, der fuer eine Firma arbeitete, die Teile für die Hammond Organ Company herstellte. Don war auch ein Musikliebhaber und fing an, sich fuer dieses neue, grossartige Instrument zu interessieren, aber irgendetwas gefiel seinem Ohr nicht. Laurens Hammond hatte seine Orgel für Kirchen und klassische Konzerthallen vorgesehen. Don, der die Mighty Wurlitzer Theatre Orgel liebte, wünschte sich von der Hammond Orgel einen etwas weicheren Klang. Nach einigen Experimenten hatte Don Leslie eine Idee, die “Bewegung” in den Klang der Hammond Orgel brachte.

Don Leslie profitierte von einem Prinzip, das “Doppler Effekt” genannt wurde. Dadurch wird das Pfeifen eines Zuges tiefer, wenn er vorbeifährt. Don nahm einen Hornlautsprecher und liess ihn im Kreis laufen. Und Bingo! Eine Legende war geboren.

Das sich drehende Horn gab der Hammond Orgel das, was in der Welt der Pfeifenorgel als Tremulant bezeichnet wird; Vibrato, Tremolo und ein wenig “Rauschen” der Luft. Es veränderte den Hammond Orgel Sound komplett. In diesem Moment wurde Hammond in allen populären Musikrichtungen geboren – Jazz, Rock, Pop.

Don Leslie glaubte an ein Wunder. Er brachte seine Erfindung sofort zu Laurens Hammond, aber …. Laurens Hammond hasste die Idee. Er wollte, dass auf seiner Orgel Kirchenmusik und klassische Musik gespielt wird. Don Leslie war sich jedoch sicher, dass er etwas Kostbares entdeckt hatte und gründete sein eigenes Unternehmen und produzierte die musikalische Innovation, die “Vibratone – Die Pfeifenstimme der elektrischen Orgel” genannt wurde.

Der Theater-Organist Jesse Crawford war einer der ersten, der den Hammond Sound kombiniert mit Vibratone popularisiert hat. Wir wissen jetzt, dass die “Leslies” im Volksmund eine Zeit lang “Crawford” oder “Hollywood” Lautsprecher genannt wurden. Und das Gerücht ist wahr … Den Hammond Händlern war es NICHT erlaubt, Leslie Lautsprecher zu verkaufen. Sie wussten nicht einmal, dass es so ein Ding gab.

Musiker sind erfinderisch und Organisten von überall her klammerten sich an die Kombination. Irgendwann wurde aus dem “Vibratone” das “Leslie Vibratone” und schliesslich hiess es nur noch “Leslie”. Letztendlich wurde ein Motor mit zwei Geschwindigkeiten eingebaut, um den charakteristischen “langsamen” Leslie Sound zu erhalten. Die Höhe jeder Melodie konnte gesteigert werden durch ein Glissando des Organisten bis zum hohen C, während gleichzeitig von langsam auf schnelle Geschwindigkeit geschaltet wurde.

1958 versuchte es Don noch einmal, seine Firma an Hammond zu verkaufen, doch der alte Mann war stur und lehnte wieder ab. Danach erteilte Don vielen anderen Orgelherstellern die Lizenz für seine Erfindung, während er sich kontinuierlich an Hammonds Produktion anpasste. Wer wollte eine Hammond ohne ein Leslie? Das Unternehmen Electro-Music (so hiess Don’s Firma) war so erfolgreich, dass keinerlei Werbung gemacht werden musste.

Letztendlich verkaufte Don Leslie Electro-Music und lebte glücklich, machte aber nie wieder eine so weltbewegende Erfindung. Er starb 2004 im hohen Alter von 93 Jahren und es ging ihm bis zum letzten Tag gut. Er hat nie das Rampenlicht gesucht wie einige seiner Zeitgenossen und ist deshalb nicht so bekannt wie Les Paul, Leo Fender oder Bob Moog, aber seine Verdienste waren mindestens genauso gross.

1954 stellte Hammond die Orgel vor, die zur Legende wurde, das Modell B-3. Mit Chorus, Vibrato und Touch Response Percussion wurden komplett neue und frische Töne erzeugt. Es ist schwer zu sagen, ob die Musiker reif für einen neuen Sound waren oder ob der neue Sound die Musiker in unbekannte Gewässer springen liess, aber etwas ist sicher: Als Jimmy Smith auf die B-3 traf, veränderte sich die Musik fuer immer.

In den Gospel Kirchen wurde die Hammond B-3 gespielt wie sonst nirgendwo. Die Geistlichen hoben Hammond auf ein Niveau, auf dem selbst die fähigsten Künstler nur noch unglaeubig den Kopf schuettelten. Viele glauben, dass die Hammond Orgel durch die Gospel Musiker ihren Höhepunkt erreichte.

In den späten fünfziger Jahren eroberte die B-3 die Pop Musik. Künstler wie Eddie Layton, Lennie Dee und Jerry Burke in der Fernsehshow von Lawrence Welk hatten Hits und ausverkaufte Konzerte. An der Spitze der B-3 Spieler war Earl Grant, der durch seinen weichen Stil im Nummer-Eins-Hit “Ebb Tide” ein regelmässiger Gast in der Ed Sullivan Show wurde.

Die Jazz Orgel wurde zum Inbegriff der “coolen” Musik der Swinging Sixties. Jimmy Smith war an der Spitze, aber auch Jimmy McGriff, Brother Jack McDuff, Charles “The Burner” Earland, Don Patterson, “Groove” Holmes und Dr. Lonnie Smith (um nur wenige zu nennen) swingten mit Begeisterung.

Auch bei der Revolution der Rock Musik spielte die Hammond Orgel eine grosse Rolle. Al Kooper, Brian Auger, Rod Argent mit den Zombies, Steve Winwood mit Traffic, Felix Cavaliere mit den Rascals, Mark Stein mit Vanilla Fudge, Keith Emerson mit ELP, Rick Wakeman mit Yes, John Paul Jones mit Led Zeppelin, Jon Lord mit Deep Purple, Gregg Rolie mit Santana, Neal Doughty mit REO Speedwagon, Dennis De Young mit Styx und Jerry Corbetta mit Sugarloaf hatten alle Platin-Hits mit der B-3. Das erste Album von Billy Joel war sehr rockig und der “Piano Man” spielte auf einer hochverstärkten B-3. Wer weiss, wieviele Jugendliche vom Hammond Virus angesteckt wurden, als sie diese (und andere) Stars hörten?

Die B-3 war auch unverzichtbar für Soul und R&B Musik von Motown und Philly. Keyboard Pioniere wie Billy Preston und Sly Stone wuchsen als Hammond Organisten in ihren Kirchen auf und beeinflussten die Musik.

1975 verliess die letzte klassische B-3 die Produktion. Es waren ca. 270.000 Stück gebaut worden. Die Zeiten hatten sich jedoch geändert. Moog und Arp Synthesizer waren jetzt gefragt. Die Kinder der neuen Generation sahen die Orgeln von ihren “Plätzen” verschwinden. Verkaeufer in Freizeitbekleidung, die die Lieder ihrer Grosseltern vorspielten, waren nicht hilfreich.

Durch die Punk und New Wave Bewegung wurde die Orgel (und viele andere Keyboards) überfluessig. Hammonds Präsenz in der Pop Musik wurde immer schwächer. Die Marke Hammond wurde an eine australische Firma verkauft, die Orgeln herstellte, die mit Hammonds glanzvoller Geschichte nichts zu tun hatten und die Königin der Instrumente verschwand für fast zehn Jahre.

Die Wiedergeburt der Hammond Orgel kam von unerwarteter Stelle. Suzuki Music aus Hamamatsu, Japan unter der Leitung von Mr. Manji Suzuki unterzeichnete eine Vertriebsvereinbarung mit der australischen Firma und kaufte 1991 die Marke. Suzuki Music war zum grössten Hersteller pädagogischer Musikinstrumente in der Welt herangewachsen. Sie produzierten auch feine Harmonikas und Pianos. Jetzt besassen sie eine legendäre Marke, um sich zu sanieren.

Sie kreierten sofort die XB-2, die erste wirklich portable (und erschwingliche) Hammond. Sie war nicht perfekt, aber sie hatte alle wichtigen Bestandteile und klang SEHR wie eine B-3. Mit einem Leslie klang sie noch echter. Rock Gruppen und Jazzer erschienen mit dem 18 kg schweren Prachtexemplar. Plötzlich war die Orgel wieder in.

Und genauso plötzlich erschienen neue junge Gesichter in der Szene. Künstler wie Larry Goldings, Joey DeFrancesco, Tony Monaco, Tony Z, Moe Denham, John Medeski, Barbara Dennerlein und John Novello spielten in der Welt des Jazz auf der B-3. In der Rock, Country, Blues und Pop Szene sah man kaum eine Bühne ohne eine portable Hammond oder die B-3.

2002 schoss Hammond den Vogel ab, als, entgegen aller Widrigkeiten, nach einer Pause von 27 Jahren die Original B-3 wieder in Produktion genommen wurde. Sie war anders … die mechanischen Tonräder blieben erhalten, aber das “alte Familienrezept” wurde durch digitale Zutaten bereichert. Sie wuerden beim Spielen keinen Unterschied merken. Die “New B-3” wurde von der alten Garde und den jungen Spielern akzeptiert. Ihre Technologie floss durch die gesamte Hammond Produktlinie.

Im 21. Jahrhundert wird die Hammond Orgel und das Leslie zu einer Einheit. Der B-3 Sound ist überall. Es gibt unzählige Nachahmer. Jeder scheint eine B-3 Nachbildung zu produzieren, aber sowohl Profis als auch Hobby-Spieler bevorzugen überwiegend das Original.

Mit der 8 kg schweren SK-1 hat Hammond den wahren Thronfolger gefunden. Sie besitzt neben dem authentischen Hammond-Ton Hi-Definition Extravoices wie Grand und Electric Pianos und andere wichtige Keyboard- und Orchester-Sounds.

 

 

 

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